Jörg Lassahn Kronprinzenstrasse 71 40217 Düsseldorf Ruf: 0211-16340321

Wie die Pedalomanie begann...

Ganz früher, etwa 1973

Zunächst einmal habe ich mich daran erinnert, dass ich irgendwann ganz früher mal ein flottes Rennrad besessen hatte.

Das muss so 1972/73 gewesen sein. Ich war damals als 13-Jähriger Schüler mit diesem Weihnachtsgeschenk allerdings irgendwie mittelhalb frustriert.

Einerseits war der zitronengelbe Renner ja ein

echter Hingucker. Andererseits - "Mars" ?

Was war das für eine Marke? Ein Rennrad vom Kaufhof? Die Bremsanlage war eine normale Altenburger Tourenzange mit ganz langen Schenkeln. Da war nichts mit Hebelgesetz und voller Bremskraft. Die Bremswirkung war weniger als handzahm.Schutzbleche waren auch verbaut, ebenso eine zumindest sportliche Dynamo-Lampen-

Lichtanlage und ein halbwegs schmaler Sattel

kommen aus der Erinnerung empor. Und sogar ein Gepäckträger!

Das Schlimmste aber war die 27" Bereifung.

Auch noch mit gelblich ockerfarbenen Flanken

und schwarzer Lauffläche! Heute als Retro Chic

gerne gesehen, war das damals ein absolutes

No-Go in puncto Racing. Schwarz mussten die Dinger doch sein.

Das war meiner damaligen Erkenntnis nach eben

kein 28er Rennrad, wie es die Schulkameraden

fuhren. Ich war nun nicht nur der Kleinste der Klasse, ich hatte auch noch das "kleinste" Rennrad!

Der 27/28 Irrtum klärte sich erst Jahre später auf,

als mir klar wurde, dass die 27er Felgen mitsamt Bereifung größer waren als die 28er und es beim Rennrad extremst auf die Kombination und Harmonie

 

aller Details ankommt, damit es richtig schön läuft.

Ich wüsste gerne, was aus dem

"Ding" von damals geworden ist.Ob jemand heute seine Sachs Simplex Schalter betätigt,

diese Gummihebelchen mit dünner Metalleinfassung, die sich fortwährend verbogen und mühsam gegen die

Sperrkräfte des schnell rostenden Umwerfers ankämpfen mussten.

Was hab ich mir beim Schalten die Finger zerschunden.

Aber - allein die Luftpumpe mit den olympischen Ringen, die nach etwa 6 Monaten zerbrachen, weil sie aus zu dünnem Plastik gefertigt waren, wäre heute eine gesuchte Rarität.

Nachdem ich das Rad einem Freund geliehen hatte und er es mit verbogenem Vorderrad zurück brachte, war die Rennradphase für mich vorbei. Kein Geld für ein neues Vorderrad.

 

Ungefähr 1979

Im Alter von etwa 20 Jahren habe ich aus einem 50ziger Jahre Damenrad, das vom Bauernhof meines Onkels ausgemustert worden war, ein Herrenrad gemacht, indem ich eine Mittelstange aus einem weiteren Damenrad extrahierte und in das Stoewer Damenrad eingeschweisst habe. Welch ein Frevel aus heutiger Sicht. Das Teil ist leider acht Jahre später auf anraten meiner damaligen Frau auf dem Sperrmüll gelandet, weil angeblich zu instabil für den Kindertransport und zu unsicher wegen der Stempelbremse. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich es soeben draußen abgestellt, als es auch schon verschwunden war. Ausgesehen haben muss es in etwa so wie die beiden Cruiser hier.

Hier im Bild die zweite Initialzündung -

 

Kurz vorgegriffen: Eine Gazelle, Baujahr 2010, mit 7Gang-Schaltung und einem Fahrgewicht von immer noch 22kg trotz Entfernung diverser Eisenteile wie Ständer, Gepäckträger und Stahlrohrlenker und Vorbau.

Zu schwer, zu lahm, und eine wirklich sportliche Körperhaltung ist wegen des weit zurück liegenden und schweren "Primus" Sattels nicht möglich. Nach einer 70km Tour von Köln nach Bonn und zurück stellte sich mir die bescheidene und entscheidende Frage:

So geht´s nicht, oder?

Dieses Rad, bzw. der Diebstahl seines Vorgängers, führten zu einer recht intensiven Beschäftigung mit dem doch, rein technisch betrachtet, recht einfachen "Werkstück" Fahrrad.

 

(Bei einigen der folgenden Räder habe ich einen Link aufs Foto gelegt, der zu weiteren Infos führt)

Irgendwann 1988 oder 1989

 

habe ich mir einen  "Gazelle" Rahmen besorgt und diesen mit schicken Teilen ausgestattet. Zu der Zeit gab es gerade einen Fahrradboom und Herrenräder waren fast überall ausverkauft.

Da ich keine Lust auf ein Kaufhausrad oder ein Serienmodell aus dem Radladen hatte, klapperte ich einen Radladen nach dem anderen ab und sammelte alle Teile zusammen, die ich brauchte. Da waren dann sehr schöne Weinmann Bremsgriffe dabei und Griffgummis von Vredestein, die viel Ähnlichkeit mit den alten AHA Bakelitgriffen hatten. Ein Radsatz mit Chromfelgen und 3-Gang Nabe wurde verbaut und ein ganz schlanker Schutzblechsatz von Blümels.

Als Kurbelsatz kam eine Ofmega zum Einsatz und irgenwie sah das Gerät sehr, sehr sportlich aus. Vor allem auch wegen des flachen Lenkers ohne Kröpfung. Das enorme Gewicht ist mir damals gar nicht aufgefallen. Das war ein tolles Rad, mit dem ich bis vor 5 Jahren gerne gefahren bin.

In einer dunklen Nacht wurde es mir im Jahre 2010 vor meiner Haustüre von der Laterne abgeschnitten,

an die ich es gekettet hatte.

Da habe ich mir dann zum ersten mal Gedanken über den Wert eines Drahtesels gemacht und über die enorme Stabilität von Fahrradschlössern.

Am nächsten Morgen besorgte ich mir in aller Hektik für den Wahnsinnspreis von 950€ eine neue Gazelle (erstes Bild oben), denn ich war vom Radfahren mittlerweile abhängig geworden.

Weiß ich auch nicht, wieso...

Ich stellte fest, dass die 7Gang Dosenschaltung am Hinterrad zwar schick anzusehen und klasse zu bedienen war, der Fahrspaß war aber irgendwie weg.

Das Gerät war ein Eisenhaufen. Man hatte zwar immer einen passenden Gang zur Hand, aber die letzten beiden waren wegen des Gewichts fast nicht einsetzbar.

Daraufhin habe ich das Rad gestrippt und alles abgebaut, was nicht unbedingt dran sein musste. Gepäckträger weg, Schloss weg, Schutzbleche weg,

schmalen Brooks drauf, flachen Lenker dran.

Trotzdem war und blieb es ein 22kg schweres Ding mit zwar tollem Geradeauslauf, aber das wars dann auch.

Dann half mir ein Zufall.

2012 - Die Rennradzeit war eingeläutet.

 

Das Herkules Saragossa war doch ein Rennrad von der Stange. Mehr für den Hausgebrauch als die Rennstrecke.

Interessant war aber die sportliche Sitzposition relativ senkrecht über dem Tretlager. Das Rad läuft super, auch dank seiner Rahmenhöhe von 63cm. Aber ein waschechter Renner ist das nicht. Ich habe das Rad im Laufe der Zeit auch eher als flottes Tourenrad gesehen, den Rennlenker durch einen flachen Tourenlenker ersetzt und einen bequemen Primus Sattel spendiert, den ein mir unbekannter Radenthusiast am Flohmarkt P1 an der Düsseldorfer Messe dann spontan für sich entdeckte und ohne zu fragen mitnahm.

Das musste doch noch viel besser gehen, oder?

 

Etwa im Frühjahr 2013

 

bekam ich ein abgerocktes Daxi SM von Kettler mit Alu Rahmen. Ich baute alles dran, was vom Rennrad kam und leicht und gut war: einen Alu Rennlenker, leichte Bremsgriffe von Sachs aus der "New Success" Serie, sowie Bremsen aus der Shimano 6500er Serie. Die waren klein und Dual Pivot. Sie greifen zu und haben einen optimalen Druckpunkt und Biss bis auf die Felgenflanke runter.

Naben von Shimano mit schmalen Felgen aus einer unbekannten Serie und eine Alukurbel mit einem 46er Solo-Blatt hatte ich noch im Fundus.

Das Rad wog etwa 9kg und fuhr sich extrem flott, bis es zerbrach. Zugegeben - in der Klasse merkt man jedes Kilogramm oder weniger.

 

Sommer 2013

Aber nun zu diesem schönen Fahrgerät hier.

Im Wahn, dass es noch leichter und noch schneller gehen sollte, kam ich dann zu einem "Romani" mit kompletter Campagnolo Ausstattung, allesamt in fast Neuzustand. Gewicht etwa 9kg trotz Stahlrohrrahmen.

Das Ding war leicht und schnell, bremste überhaupt ganz schlecht mit seinen lackierten Mavic Felgen und hatte eine derart schlabberige Strassenlage, dass ich an meinem fahrerischen Können zweifelte.

Dieser Renner war zwar leichter als alle anderen Modelle, die ich besaß (etwa 9,5kg) aber auch derart unruhig mit seinen 98cm Radstand im Geradeauslauf, dass ich nach 35km die Testfahrt abbrach und auf kürzestem Weg nach Hause fuhr.

Etwa 2011 bekam ich...

 

vom Hausmeister meiner damaligen Unterrichtsstätte im Tausch gegen eine Flasche trockenen Sekt diesen schönen, roten Herrenradrahmen von Herkules - einen mit klar gezeichneten Muffen und offenem Thompson-Tretlager, Marke "Hobby".

Da es sich um ein gewöhnliches Herrenrad handelte, war zunächst sehr viel Unfug dran. Die 3 Gang Schaltung musste einem ebenso geschenkten 27 Zoll Räderpaar aus einem Calippo Damenrad weichen, das ich von einer Nachbarin erhielt, die sich mit den schmalen Reifen auf der Straße unwohl fühlte. Auf dem Foto links fehlen noch einige Teile, die das Rad zur Fahrtüchtigkeit bringen. Bemerkenswert jedoch war sehr schnell, dass der Stahlrohrrahmen relativ leicht war und eine hervorragende Straßenlage besaß. Ein solchermaßen abgespecktes Rad wiegt etwa 11-12kg. Auf den 27" Reifen rollte es erstaunlich leicht dahin. Die Chromfelgen sind übrigens nur unwesentlich schwerer als ein Satz aus Aluminium. Aber da es die Summe aller Teile macht, besorgte ich mir für kleines Geld auf dem Flohmarkt ein "Saragossa".

Nach diesen Versuchen war mir klar, dass ich jetzt nur noch eins wollte: Einen Vintage Stahlrahmen mit langem Radstand in leichter Bauweise zum Rennrad machen. Es entstand auf der Basis eines Herkules Teneriffa der erste Goldstrom Renner Modell 113/001.

Jörg Lassahn Kronprinzenstrasse 71 40217 Düsseldorf Ruf: 0211-16340321